Ein Rückblick

2017-08-14T11:01:08+00:00Vermischtes|19 Comments

In den letzten Wochen hat das Leben mit mir so einige Berg- und Talfahrten veranstaltet und ich muss mir das einfach mal von der Seele schreiben. Da ist mir die Außenwirkung für mich als Referent und Dozent erst einmal egal. Es geht um mich als Mensch.  Oder um eine liebe Person zu zitieren: Dein Blog, Deine Party!

Eine Warnung vorab: Dieser Blogpost ist nicht leicht zu verkraften und wer sich derzeit nicht stabil fühlt oder bei dem die Themen Tod , Suizid und Depressionen etwas triggern:  Bitte nicht weiterlesen.

Ich befinde mich nun seit fünf Wochen in einer medizinischen Reha die lange geplant war. Ich hatte feste Ziele und wusste was ich wollte. Zumindest bis zu dem Dienstag zwei Wochen vor der Reha. Ein Tag der alles veränderte und mich mit einer Situation konfrontierte vor der ich immer Angst hatte.

Ich hatte bei meiner Mutter um die Ecke einen Friseurtermin und so wollte ich natürlich auch bei ihr vorbeischauen. Am Tag vorher konnte ich sie nicht telefonisch erreichen. Was mich zwar nervös machte, aber es herrschte gutes Wetter und meine Mutter war immer mal wieder spontan unterwegs. Kurzum ging ich bei Ihr vorbei. Ich klingelte. Niemand reagierte. Ok, evtl war sie an diesem Morgen unterwegs. Also ab zum Friseur. Auf dem Rückweg wieder geklingelt. Keine Reaktion. Eine Nachbarin lies mich ins Haus, ich stand also vor der Wohnungstür und klingelte und klopfte dort. Vor der Tür lagen zwei Tageszeitungen. Ungewöhnlich. Der Nachbar der einen Schlüssel zu ihrer Wohnung hatte war nicht erreichbar und so saß ich da im Treppenhaus. In mir stieg Panik auf. Ich wollte nun in die Wohnung und sehen das alles ok ist.

Ich fasse mich kurz: Niemand wusste ob meine Mutter kurzfristig verreist war (was auch eher untypisch gewesen wäre), der Nachbar kam und so betrat ich die Wohnung. Ich rief nach ihr, keine Antwort. Am Mittag Licht im Schlafzimmer: Da stimmte was nicht. Innerhalb von wenigen Metern zerfraß mich die Panik. Ich fand dann meine Mutter, tot, im Bad liegend. Dieses Bild, es hat sich eingebrannt. Schlimmer noch: Wenn ich seitdem an schöne Situationen mit meiner Mutter dachte, versuchte beruhigende Bilder zu erinnern, immer dann fingen diese Bilder an zu flackern und wurden bzw werden immer noch  von dem Bild überdeckt was ich da sah. Das Elternteile sterben ist der Lauf des Lebens, das man sie tot auffindet ist eine andere Sache. Auf Sonderwünsche wie „friedlich im Bett liegend“ nimmt das Leben da keine Rücksicht.

Dieser Tag war dann geprägt von Notarzt, Polizei, Polizeiarzt und jeder Menge Dingen die erledigt werden mussten. Es folgten zwei Wochen die anders abliefen als ich geplant hatte, meine Vorbereitungen für die Reha fanden auf den letzten Drücker statt.

Kleiner Zeitsprung: Rehazeit. Da ich die Klinik hier kenne viel mir das erste Einleben recht leicht. Dachte ich zumindest. Ich war optimistisch. Zumindest solange bis ich auf den Psychologen hier traf. Sagte ich schon mal, dass ich schnell das Vertrauen verliere bzw schwer welches aufbauen kann? Das ich müde bin zu erklären was Autismus ist wenn ich selbst Hilfe brauche? Und das wohl so ziemlich alles in die Hose ging was da rein gehen konnte.

Der Diplom Psychologe setzte in der zweiten Stunde auf Provokation. Das war schon schlimm genug und hat viel dazu beigetragen was danach passierte. Was mich aber, zumindest im Rückblick, noch mehr ärgerte: Er hatte nichts verstanden. Wie schon so oft wurde aus einem „Ich habe Probleme durch den Autismus erzeugt von der Umwelt und den Mitmenschen“ ein „Ich habe ein Problem mit meinem Autismus“. NEIN. So dauerte es nicht lange bis der Herr Psychologe meinen Autismus in Frage stellte, mich fragte wie ich reagiere wenn er mir das abspricht Autist zu sein und vor allem was ich machen würde wenn die gesamte Welt mir das nicht glauben würde. Ich solle meinen Autismus akzeptieren. Ja, ich. Der Mensch der dafür bekannt ist, dass er in seinen Seminaren und Veranstaltungen sehr ausgeglichen und reflektiert wirkt. Jemand der, nach außen sichtbar, eben nicht mit dem Autismus kämpft sondern mit der Intoleranz der Umwelt. Nun denn, es folgten noch Fragen was ich eigentlich bei ihm wolle, was das Ziel des Termins für mich sei und überhaupt er sei für Klönschnack nicht da. Ich hätte ja keine Probleme und während ich in der Klinik jeden Tag dreimal üppiges Buffet hätte würden minütlich, wenn nicht gar sekündlich, Kinder auf der Welt verhungern. Hm ja.

Was folgte war schlimm. Ich brach nach dem Gespräch zusammen, saß weinend auf dem Zimmer und war einfach nur müde. Müde vom Leben, also Lebensmüde. Nicht das ich aktiv Suizid hätte begehen wollen oder können, aber es wäre mir egal gewesen wenn das Leben zu Ende gewesen wäre. Meine Frau rief sogar voller Sorge in der Klinik an. Hello Darkness my old Friend. Eine beschissene Zeit. Nichts fühlen, leer sei, alles egal. Mich warf dieser Termin um Welten zurück. Psychisch wie auch körperlich. Eine Fachkraft hat mich, innerhalb einer Stunde, in eine Lage gebracht die unerträglich war. Zumindest im Rückblick, damals war es mir egal. Wie gesagt: Mich hätte ein Auto überfahren können: Who cares? Blutzucker am Entgleisen weil ich Diabetiker bin? Shit on it. Tabletten genommen oder Insulin gespritzt? Ich konnte mich nicht erinnern, war auch egal. Hier wäre die Reha beinahe am Ende gewesen, die Akutklinik winkte schon zur Aufnahme. Wenn ich bisher durchaus rehafähig gewesen war, der Psychologe hat mich tatsächlich in einen Zustand geschossen in dem man wohl sagen würde: Reha ist sein letztes Problem. Das hatte ich davon einem Psychologen zu „vertrauen“ und ihm offen die wunden Stellen zu offenbaren die mich verletzlich machten. Er verletzte mich wie ne Axt im Walde.

Kurzer Zeitsprung: Ich schrieb eine Beschwerde über den Psychologen, redete 2 Tage kaum bis gar nicht und sorgte mit letzter Kraft dafür das ich diese Person nicht mehr sehen musste.

Die Nachfolgerin war besser, wir kamen aber auch irgendwann zum Schluss: Mir ist, in dieser Reha, nicht zu helfen. Also was meine Depressionen betrifft. Auch hier kam, kurz, wieder ein sehr bitteres Gefühl auf: Die Depression schien gewonnen zu haben. Ich hatte verloren. Hilfe war nicht möglich. Kombiniert mit dem Gefühl Lebensmüde zu sein eine Erfahrung die ich keinem wünsche. Müde vom Leben zu sein ist das Eine, sich dem quasi ergeben weil man aufgibt und keine Hoffnung mehr sieht die seit Jahrzehnten bestehenden Depressionen zu mildern…..ist das Andere.

Was soll ich sagen: Danach ging es mir irgendwann besser, schlechter ging ja auch kaum noch, oder? Die Reha wurde auf sieben Wochen verlängert und ich fing endlich an was für mich zu tun. Oder wie es eine Qi Gong Übung beschreibt: Das ist dein Weg, hier grenzt Du Dich ab von dem was Dir schadet, und jetzt ziehst Du das zu Dir was Dir gut tut. Drei Bewegungen die viel bewirkt haben.

 

Könnt Ihr mir noch folgen? Eigentlich ist genug passiert, die Reha steht aber auch aus einem anderen Grund nicht unter einem „guten Stern“. Ich muss sie selbst bezahlen. Meine Krankenkasse ist nämlich der Meinung dass eine stationäre Reha nicht medizinisch indiziert sei. Man müsse also auch nichts bezahlen. Hier waren sie wieder: Meine Probleme damit wie meine „Umwelt“ mit meinem Autismus umgeht. Und auch hier bin ich wieder sehr offen:

Der Leitsatz „Ambulant vor Stationär“ ist ja lobenswert und soll eigentlich auch den Patienten schonen. Wenn man, wie ich, aber durch Überlastung nicht in der Lage ist zum Arzt zu gehen wird das zu einer Falle. Von einer Therapie rede ich erst einmal gar nicht. Und ja das gibt es: Das man so überlastet ist und keine Arzttermine, geschweige denn regelmäßige Termine, wahrzunehmen obwohl man sehr genau weiß und auch merkt das einem das körperlich massiv schadet. In der idealen Welt des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) und bei meiner Krankenkasse ist das allerdings nicht vorgesehen. Du kannst nicht zum Arzt gehen? Dann kannst Du weder krank sein noch brauchst Du Hilfe. Eine Fachärztin für Allgemeinmedizin zählt nicht, ich habe gefälligst zu den „richtigen“ Fachärzten zu gehen. Hmmm, ja. Schlimmer noch. Der MDK schrieb in seinem Gutachten: Also wenn ich Depressionen hätte solle ich erst eine Psychotherapie machen. Dann könne man weiter reden. Und überhaupt: Wenn ich wegen meines Autismus in Reha will muss ich, nun haltet Euch fest, fachärztliche Berichte vorlegen, dass ich überhaupt rehafähig bin. Und weil ich nur zwei Wochen Zeit für die Erwiderung hatte bedeutete das: Drei Facharzttermine  und zugehörige Gutachten in eben zwei Wochen einzureichen. Für jemanden der, ich war da offen, eben nicht in der Lage ist Termine bei Ärzten verlässlich wahrzunehmen weil es mir nicht gut ging.  Ich hatte also die Wahl zwischen Depressionen oder Autismus als Rehagrund und musste vorab  meine Unschuld – sorry meine rehafähigkeit- beweisen. Man sprach sie mir seitens des MDK ja alleine wegen der Diagnose grundsätzlich ab. Schlimmer noch: Ich stand vor der Wahl nicht zum Arzt zu gehen weil ich es nicht kann und damit keine Chance mit dem Widerspruch zu haben oder den Arztmarathon irgendwie zu schaffen mit dem Risiko dann zu hören: Na so schlimm kann es ja nicht sein, sie konnten ja doch zum Arzt gehen. Wie man sich dabei fühlt? Beschissen!

Die Krankenkasse hat aber sowieso alles was ich erklärend angeben habe entweder überlesen oder gegen mich verwendet. Aktuell berufen sie sich darauf ich hätte ja selbst eingestanden nicht rehafähig zu sein. Begründung: Ich schrieb dass ich Probleme mit großen Therapiegruppen hätte und deshalb, weil es hier sehr kleine Gruppen gibt, gerne in diese Klinik hier möchte. Den Zusatz dass die letzte Rehamaßnahme hier erfolgreich war – belegbar durch den Entlassungsbericht von damals-  wurde unter den Tisch gekehrt! Was bleibt mir nun? Ich kann gegen den Bescheid des Widerspruchsausschusses klagen. Was bringt mir das? Einen Gerichtstermin in ein bis zwei Jahren. Ich brauche die Reha jetzt, nicht in ferner Zukunft. Deswegen bin ich ja auch hier und nicht Zuhause. Meine Reha ist medizinisch nicht indiziert? Warum verlängern die Fachärzte hier dann meinen Aufenthalt auf 7 Wochen? Ich bin nicht rehafähig? Sehen die Therapeuten hier anders.

Ihr lest immer noch hier mit? Danke.

Es schließt sich ein Kreis. Ich brauche Hilfe weil ich Probleme damit habe wie die Gesellschaft mit meinem Autismus umgeht und wie sie mich teilweise diskriminiert und behindert. Die Hilfe bekomme ich aber nicht weil ich als Autist eben pauschal erst beweisen muss dass ich mir diese Hilfe verdient habe und überhaupt rehafähig bin. Mir wird also erst einmal auferlegt etwas zu beweisen was mir einfach abgesprochen wird. Im Zweifel für den „Angeklagten“ und eine „Unschuldsvermutung“ gibt es nicht wenn Fachleute des MDK feststellen dass die Diagnose Autismus eine Rehafähigkeit ausschließt.

Was bleibt ist eine recht hohe Rechnung und die Erfahrung dass Fachärzte über einen bestimmen können wie sie es gerne hätten. Sie machen sich die Welt wiedewie sie ihnen gefällt. Menschenrechte und der Anspruch auf Hilfeleistungen, das Grundrecht aufgrund einer Behinderung nicht diskriminiert zu werden sind in dieser Welt egal. Und das Schlimmste ist: Der Umgang mit dem Menschen hinter der Aktenlage aufgrund derer man entscheidet. Menschlichkeit? Not available in this System!

P.S.: Mir geht es wieder besser und ich habe überhaupt erst jetzt die Kraft das alles mal zu schreiben. Und Kraft um weiter zu kämpfen 🙂

19 Comments

  1. atarifrosch 14. August 2017 at 11:16 - Reply

    Wenn Du kämpfen kannst, isses ja nicht so schlimm, und wenn Du nicht kämpfst (weil Du nicht kannst), war’s wohl nicht nötig und wir haben recht – ja, das kenne ich auch von anderen Einrichtungen und von Behörden sehr gut. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft! Und einen guten Rechtsanwalt für die Klage, denn die scheint wirklich angebracht.

    Gruß, Frosch

  2. lizzzy07 14. August 2017 at 11:18 - Reply

    So etwas treibt mich gefühlt „auf 180“ – nicht nur bei dir. Manchmal möchte ich alle Welt „auf den Mond schießen – ohne Rückfahrkarte!“, wenn mal wieder zu viele zu dämlich, zu begriffsstutzig, zu schlampig … (bitte fortsetzen) sind. Immerhin weiß ich, dass es „da oben“ jemanden gibt, der mir zuhört. Und wenn er oft der einzige ist. Einmal ausheulen, fluchen, schimpfen bitte. Möge Gott dich segnen, um dich einen Schutzschild errichten und dir ganz viel Kraft geben! Ja, Amen.

  3. getlucky2017 14. August 2017 at 12:34 - Reply

    Danke für Deine Schilderung. Ich kann das Alles sehr gut nachvollziehen. Gut, daß Du wieder auf der Matte stehst. Qi Gong war gut, oder?

  4. Ulrike 14. August 2017 at 13:05 - Reply

    Finde mich teilweise wieder. Bin zwar nicht Autist, aber habe seit Jahren schwere Depressionen. Tja, Psychologen und anderen solchen Ärzten stehe ich mittlerweile sehr skeptisch gegenüber. Ich wünsche dir weiter ganz, ganz viel Kraft!
    Lales Gute!
    Ulrike

  5. blutigerlaie 14. August 2017 at 16:56 - Reply

    Mein herzliches Beileid
    Vielen vielen Dank für den offenen Beitrag
    Deine Offenheit ist gleichzeitig die einzige Chance für die nichtautistische Welt, zu verstehen, was da passiert
    Wir Autisten haben es leider an uns, dass man uns unsere Emotionen und unseren Stress kaum oder gar nicht ansieht. Resultat: Menschen wie dieser erste Psychologe hauen immer weiter drauf und merken nicht, was sie einem antun
    Viel Erholung noch, vielleicht nutzt es ja etwas, die Rechnung nachträglich einzureichen
    LG

  6. Forscher 15. August 2017 at 8:04 - Reply

    Herzliches Beileid, Aleksander!

  7. sauer01 15. August 2017 at 9:40 - Reply

    Bei den Ärzten, Psychologen etc. vor dem Gespräch Ich bin Autist,bei mir läuft es anders.
    Eine kleine schriftliche Broschüre über Autismus als Beigabe wäre von Vorteil !!!

  8. leidenschaftlichwidersynnig 15. August 2017 at 10:06 - Reply

    Hallo Aleksander,
    danke für diesen Bericht. Er zeigt gut auf, wie schwierig es ist, in einer echten Krise Unterstützung zu finden. Und die medizinische Reha ist nicht die einzige Endlos-Schleife in unserem “ Unterstützungs“ System. Gut, das es dir wieder besser geht. Und mein Beileid.
    LG von LW

  9. perfeclty me 15. August 2017 at 20:59 - Reply

    Ich like es nicht aber ich bedanke mich dafür das du offen darüber sprichst. Herzliches Beileid wegen deiner Mutter..das steht mir auch irgendwann bevor und so möchte man es nicht erleben. Ich lese öfters das es schwierig ist überhaupt eine Reha zu bekommen bzw. sich jemand bereit erklärt Autisten aufzunehmen ….erschreckend. Aber Respekt das du es versucht hast ( leider mit Selbst Finanzierung). Ich habe zu viel Angst vor Reha aus exakt deinen benannten Gründen.

  10. siberia12437 15. August 2017 at 21:54 - Reply

    Du bist damit nicht allein!

    Die KV verhält sich so wie sie es per Definition ist: eine Versicherrung!

    Sobald es um Geld geht, spielt es überhaupt gar keine Rolle wie es Dir als Menschen geht sonder nur was deine Akte aussagt.

    Das erleben wir mein Mann und ich mit der RV seit 2013.

  11. siberia12437 15. August 2017 at 21:54 - Reply

    Hat dies auf teiledeinwissen rebloggt.

  12. Albert A. 16. August 2017 at 18:49 - Reply

    So weit ich weiß, ist mein Autismus keine Krankheit, sondern genetisch bedingte Entwicklungsstörung. Ich konnte mich mich nicht „normal“, also wie ein normaler Mensch mit all den gängigen Macken entwickel sondern ziemlich eigentümlich. Solange ich davon nichts wusste, wäre ich nie zu einem Arzt gegangen, Ich kam mir normal vor und eher die menschliche Welt um mich herum kam mir wie ein verrücktes Durcheinander vor. Als ich vom Autismus erfahren habe und mich dort heimisch fand, hat mich immer sehr geärgert, wenn Autismus als „Krankheit“ bezeichnet wurde. Auf keinen Fall wollte ich von meinem Autismus „geheilt“ werden.
    (Zitat: „und eine „Unschuldsvermutung“ gibt es nicht wenn Fachleute des MDK feststellen dass die Diagnose Autismus eine Rehafähigkeit ausschließt.“)

    Ich nehme an, dass Du ziemlich genau wusstest, warum Du in die Reha-Klinik wolltest, was die Ärzte und das Personal für Dich Gutes und Erholendes machen könnten. Und ich nehme an, dass Du damit einverstanden bist, wenn die Ärzte und das Personal auch Dein Autismus nicht als Krankheit und deswegen als nicht ärztlich behandelbar verstehen. Bei Depressionen ist es natürlich anders, ich glaube aber nicht, dass mir ein Arzt oder ein ganzes Team bei meinen Depressionen helfen könnte. Es gibt zwei Arten von Depression, – ich nehme an, dass Du es weißt, eine ist eine Art Übermüdung, auch mentaler Übermüdung, da hilft nur ein Rückzug aus den unzähligen Auseinandersetzungen, die eigentlich keinen Sinn machen…

  13. Jonathan 1. September 2017 at 16:05 - Reply

    Mein Beileid für den schlimmen Verlust. Ich wünsche dir viel Kraft. Das mit dem Psychologen und der Krankenkasse ist schrecklich 🙁
    Den Mist kenne ich gut von meiner Schwester, die große Probleme hat entsprechende Hilfe zu bekommen. Ich selbst hatte bisher keine Probleme mit dem Gesundheitssystem, aber ich kenne dessen Probleme und weiß von meiner Mutter wie anstrengend es ist siche da durchzukämpfen.
    Bin froh, dass es dir wieder besser geht und du die Kraft zum weiterkämpfen zurückgewonnen hast.

  14. Eva 8. September 2017 at 15:09 - Reply

    Was für ein Schock! Wenn man Dir nicht gleich die Hilfe zukommen lässt, die dieser Situation angemessen ist, verstehe ich das nicht. Das ist Mangel an Mitgefühl.
    Und ich verstehe auch, was Du mehr am Anfang sagst: Das Bild bekommt man nicht mehr aus dem Kopf. Auch das verstehe ich sehr gut. Ich sehe noch die Wiederbelebungsversuche an meinem Vater, die dann ohne Erfolg blieben. Kein schönes Bild, wie sie seinen armen Körper maltraitierten. Aber Bilder können vielleicht mit Bildern bekämpft werden. Die schönen, die fröhlichen, die glücklichen Bilder, die bestimmt in Deinen Familienalben sind. Nur gedanklich damit zu arbeiten ist wahrscheinlich nicht stark genug. Das Bild auf Papier ist stärker.
    Ich wünsche Dir ganz herzlich, dass die frohen, die schönen Bilder den schrecklichen letzten Eindruck besiegen mögen. Das war der Körper. Mögen die beselten Bilder deiner Mutter, die noch aus dem Leben stammen, deine Vorstellungskraft beherrschen!

  15. Yushka 29. September 2017 at 11:06 - Reply

    Oh… je. Das liest sich schlimm. Ich hoffe, es geht Ihnen wieder besser!
    Ich bin auf der Suche nach Hilfe für meine beiden Söhne (beide Menschen im Autismus Spektrum) auf Ihren Blog gestoßen…
    Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Die Welt ist oft so ungerecht und besch…
    Alles Gute für Sie!
    Yushka Brand

  16. Fräulein_ich 1. Oktober 2017 at 17:03 - Reply

    Bin gerade durch Zufall auf deinem Blog vorbeigestolpert und muss sagen, harter Tobak. Wirklich. Zwecks der ganzen Krankenkassenkiste….das kommt mir so bekannt vor und es klingt nach einer ganz bestimmten KK. Ich kann mich da zwar nicht direkt in deine Lage versetzten, was das anbelangt, aber ein bisschen mitfühlen kann ich. In meiner Laufbahn als HEP ist mir da auch schon das ein oder andere unter die Augen gekommen, wo ich mich derartig geärgert habe, dass ich dachte jetzt ist jegliche Art der Menschlichkeit davongeflogen und sie existiert nicht mehr. Ging es bei einem meiner Klienten um einen neuen Rollstuhl. Um einen Stehrollstuhl (wenn ich das jetzt richtig sage). Ein Rolli eben, der Elektrisch betrieben, den Klienten auch in eine stehende Position befördern hätte können. Selbstständigkeit und Lebensqualität hätte sich hierdurch um 180 Grad drehen können. Mal abgesehen von diversen körperlichen Leiden, die durch den alten Rollstuhl verursacht wurden. Die Krankenkasse lehnte ab. In diesem Moment denkst du dir, auch wenn du nur der „Betreuer“ bist, ob die eigentlich ansatzweise den Antrag gelesen haben. Ob sie ansatzweise eigentlich verstehen, was Selbstständigkeit und Lebensqualität ist, gerade für einen Rollstuhlfahrer. Und weiter denkt man, ob die sich überhaupt die Mühe gemacht habe, sich die Bilder anzuschauen, die beigefügt waren. Um die körperlichen Schäden, die durch den alten Rolli versursacht wurden, zu Dokumentieren.

    In diesem Sinne, kann ich das irgendwie total nachvollziehen 🙂

  17. Julia 11. Oktober 2017 at 11:51 - Reply

    Lieber Aleksander,

    zunächst ein mal möchte ich dir mein tiefstes Beileid zu deiner Tragischen Situation mit deiner Mutter aussprechen. Ich weiß wie Du dich in diesem Moment gefühlt haben musst.

    Wenn ich deine Texte so lese erinnert mich das an meinen Freund, der wohl leider selber an schweren Depressionen leidet – es aber nicht einsehen möchte – auch er verliert sehr häufig den Lebensmut und schafft es nicht mehr Termine ein zu halten geschweige denn sich bei seiner Freundin (also mir) zu melden. Wie oft er schon plötzlich verschollen war und wie oft ich schon Angst hatte das er einen Suizid begangen hat, kann ich nicht mehr zählen.

    Ich versuche mein bestes Ihm nicht auf die nerven zu gehen, ihm seinen Freiraum zu lassen und meine Unsicherheiten diesen immer wieder aufkommenden Situationen vor ihm zu verbergen. Auch wenn das alles ziemlich Vorwurfsvoll klingt, bin ich dies so gar nicht. Schließlich möchte ich nur das Beste für ihn, aber manchmal fehlt mir die Kraft 2 – 3 Monate darauf zu warten das eine Antwort oder ein Lebenszeichen kommt, ich verliere in solchen Situationen den Mut daran zu glauben das dieser Mensch es ernst mit mir meint.

    Bin ich doch selber ein sehr geprägter Mensch und habe auch ich noch immer nicht den Tod meines Opas verkraftet, den ich übrigens – wie Du deine Mutter – vor 2 Jahren tot in seinem Haus auf der Treppe liegend aufgefunden habe. Das einzige was mir ein kleinen wenig geholfen hat war als ich allen die Anteil an meinem Erlebnis gezeigt haben Danksagungskarten zukommen zu lassen.

    Das dein Autismus von der Gesellschaft nicht anerkannt wird ist ein Unding, ich selber habe eine erwiesene Suchtkrankheit welche von der Gesellschaft einfach als „Drogenabhängig“ abgetan wird, dabei bin ich seit gut 5 Jahren Clean. Es ist einfach so viel mehr als das und der Otto Normal Bürger steckt da einfach nicht drin, deswegen haben solche auch nicht das Recht Dich, Mich oder einen anderen Menschen mit egal welcher Krankheit, Behinderung oder ähnlichem zu verurteilen.

    Und das der Psychologe so ein Ding vom Stapel lässt ist mir echt unerklärlich, hast Du vielleicht mal darüber nachgedacht eine andere Klinik in Zukunft zu wählen?

    Ich hoffe inständig das es dir zum jetzigen Zeitpunkt um einiges Besser geht.

    Herzliche Grüße
    Deine Julia

  18. Peter 12. Oktober 2017 at 8:31 - Reply

    Mein Beileid – Sie erleben einen großen Verlust, der sehr schmerzhaft ist. Einen toten Menschen zu finden ist nochmal etwas anderes – insbesondere, wenn es sich um einen geliebten Menschen handelt. Das Sterben ist ein Tabuthema. Friedlich einschlafen werden leider nur die wenigsten. Wer zurückbleibt muss neu anfangen. Andere Menschen müssen wichtiger werden und den leer gewordenen Platz einnehmen. Dies zu akzeptieren fällt nicht jedem leicht. Noch einmal etwas anderes ist es, dies auch umzusetzen, denn nicht jeder hat hierfür das Talent. Nur die wenigsten Menschen trauen sich die seelische Belastung mit der aktiven Beschäftigung des Themas „Sterben“ im allgemeinen, oder der aktiven ehrenamtlichen Mitarbeit in einem Hospiz, oder sogar einem Kinder- und Jugendhospiz zu. Wie geht ein Autist hiermit um? Ich hätte großes Verständnis für jeden, der dieses Thema für sich selbst als zu schwierig deklariert. Ich selbst gehöre dazu.

    Psychologie ist eine sehr junge Wissenschaft. Den Begriff des Autismus-Spektrums verwendet man erst seit 1981 (Dr. Lorna Wing). Von einem einfachen Diplom Psychologen darf man deshalb nicht sehr viel erwarten. Diese Wissenschaft ist genauso vielseitig wie die Informatik. Ein Informatiker der COBOL Ära wird im Regelfall extrem wenig von SAP S/4HANA und absolut nichts von künstlicher Intelligenz verstehen. Damit sind wir dann bei einem sehr zentralen Thema, der Intelligenz – allgemein definiert, als die Fähigkeit, insbesondere durch abstraktes logisches Denken Probleme zu lösen und zweckmäßig zu handeln. Der Intelligenzquotient ist eine Maßzahl für intellektuelle Leistungsfähigkeit, die besagt, wie intelligent ein Mensch (nach einer bestimmten Testmethode) ist. Das eigene Selbstwertgefühl wird maßgeblich hierüber bestimmt, denn wir leben in einer intellektuellen Leistungsgesellschaft. Intelligenz ist eine Persönlichkeitseigenschaft. Von einem Akademiker erwartet man unabhängig von der Fachrichtung, dass er sich in jedes Thema professionell einarbeiten kann. Dies suggeriert, dass normaler Weise bei Menschen eine einigermaßen gleichmäßige Intelligenz vorhanden ist. Persönlich glaube ich das allerdings nicht. Die 13-jährige Autistin Joscha schrieb kürzlich einen bemerkenswerten Artikel über sich selbst. (http://www.zeit.de/2017/28/inklusion-autismus-kinder-mit-behinderung-schule-paedagogik/komplettansicht) Ihr IQ wurde teilweise mit 146 und teilweise mit 68 beziffert. Im Durchschnitt lag er bei 106. Oftmals wird sie als Schwerstmehrfachbehinderte von akademischem Fachpersonal behandelt, bei dem sie aufgrund ihrer eigenen hohen Intelligenz sofort erkennt, dass man von niemandem eine gleichmäßige Intelligenz erwarten kann. Außerhalb des akademischen Fachbereichs kann es nach meiner Einschätzung recht schnell schwierig werden. Menschen des Autismus-Spektrums können dies möglicher Weise schneller erkennen. Aber Achtung: Der Bote der schlechten Nachricht wurde in der Geschichte oftmals erschossen.

  19. socopuk 6. Januar 2018 at 9:44 - Reply

    Hey, ich hoffe dir geht es mittlerweile besser und du bist wieder stabiler!
    Mit den besten Wünschen fürs neue Jahr,
    Anna

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