ABA ist keine Inklusion

Beim Online Inklusionskongress soll, wahrscheinlich am 22.03.2019, eine Autismus Therapeutin sich zum Thema Inklusion, Autismus und Schule äußern.

Frau Klemm studierte nach eigenen Aussagen ABA. Es ist also davon auszugehen, dass es bei dem Beitrag beim Inklusionskongress auch um das Thema ABA und das damit verbundene Menschenbild gehen wird.

Ich fordere die Veranstalterin Frau Bettina Roblin hiermit öffentlich dazu auf den Beitrag von Frau Klemm nicht online zu stellen.

ABA ist für viele AutistInnen ein NoGo. Es wurde seitens autistischer Aktivisten lange dafür gekämpft dass die Aktion Mensch keine ABA Projekte mehr finanziell fördert.

ABA wurde in den 70er und 80er Jahren für die Umerziehung von Homosexuellen Menschen angewandt. Bei Autisten kamen und kommen Elektroschocks und andere Aversiva zur Anwendung.

Der der Methode ABA zugrunde liegende Behaviorismus gilt seit dem Kognitivismus psychologisch als veraltet.

Der Begründer der Methode äußerte sich wie folgt:

„You have a person in the physical sense — they have hair, a nose and a mouth — but they are not people in the psychological sense. One way to look at the job of helping autistic kids is to see it as a matter of constructing a person. You have the raw materials, but l you have to build the person.“
O. Ivar Lovaas

Wir sind im Weltbild von ABA keine vollwertigen Menschen sondern leere Hüllen die noch, von außen und damit fremdbestimmt, zu einer Person konstruiert werden müssen.

Dies ist Anpassung anstelle von Akzeptanz. Mit Inklusion hat das nichts zu tun.

Wer nun denkt das seien ja alte Ansichten den darf ich auf aktuelle Zitate und Äußerungen erweisen:

Dr. Ragna Cordes:

„Es geht darum, dass die Kinder ihr gelerntes autistisches Verhalten vergessen und ein neues Verhalten erlernen“

Quelle: http://www.pressedienst.bremen.de/sixcms/detail.php?gsid=bremen183.c.4257.de

“Kinder mit Autismus können nicht von sich aus lernen”

Quelle: https://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/03/autismus-kinder-verhalten/seite-2

Das sind nur einige Beispiele die klar zeigen sollten was man von autistischen Menschen hält:

Wir sind in deren Augen schlichtweg keine Menschen. Wir sind unfertige Hüllen die von außen gefüllt werden müssen. Und wenn wir zu autistisch sind müssen wir unseren Autismus verlernen. Das ist nichts anderes als zwangsweise Umerziehung.

Eine Veranstaltung zum Thema Inklusion mit einer ABA Therapeutin empfinden AutistInnen wie:

  • Blinde Menschen die dazu aufgefordert werden mit Ihrer Restsehkraft (sofern vorhanden) auszukommen und ohne Hilfen zu sehen.
  • Gehörlose Menschen denen der Zugang zur DGS verwehrt wird und die , weil das normale Leben so funktioniert, gefälligst Lippenlesen sollen und in Lautsprache kommunizieren.
  • Menschen welche einen Rollstuhl benutzen die angehalten werden doch aufzustehen und zu gehen. Dies sei schließlich der Normalzustand.
  • Kleinwüchsigen Menschen die Hilfen zu versagen mit dem Hinweis wenn etwas zu hoch für sie ist sollen sie einfach höher springen.

Die Beispiele könnte ich endlos fortführen.

ABA ist keine Inklusion, ABA steht für menschenverachtende Normierung und Umerziehung von AutistInnen.

Frau Roblin, deshalb fordere ich Sie dazu auf:

Geben Sie ABA und deren praktischen Anwendern KEINE Bühne!

Nehmen Sie Frau Klemm aus dem Programm des Inklusionskongresses!

Es reicht nicht sich das für die Zukunft vorzunehmen, Sie müssen JETZT handeln.

Inklusion bedeutet Verantwortung. Werden Sie dieser gerecht!

 

Aleksander Knauerhase, Autist und Inklusionsbotschafter des ISL e.V.